Sehr verkehrte Pro-Chemnitzer, fiese Hooligans, …

…mir gehen da ein paar Dinge nicht aus dem Kopf. Ich verstehe ja, dass es einem mulmig werden kann, wenn sich eine gewisse Sorte mehr oder weniger junger Männer in der Stadt herumtreibt. Das können zum Beispiel Junkies oder Besoffene sein, die zu zugedröhnt sind, um sich unter Kontrolle zu haben, oder Schlägertypen, Berufs- und Gelegenheitskriminelle, Mitglieder von Gangs und „Rocker“-Banden (unsägliches Wort übrigens, ich liebe Rockmusik), Leute aus „dem Milieu“. Manchen steht die Brutalität ins Gesicht geschrieben, vielleicht auch, weil sich ihre Züge im Knast verhärtet haben. Wenn die in Sicht sind, wechsle ich gerne mal die Straßenseite.

Zu dem ohnehin vorhandenen und viel zu großen Reservoir an Dreckskerlen kommt jetzt durch Migrationsbewegungen sicherlich ein gewisser Prozentsatz an ebensolchen hinzu, so dass der Dreckskerlindex beispielsweise von Chemnitz jetzt möglicherweise bei 102,9 Punkten liegt (2015 = 100). Mir ist es allerdings völlig egal, welche Haut- oder Haarfarbe so ein Dreckskerl hat oder in welchem Land er geboren ist. Herkunft spielt durchaus eine Rolle, aber nicht die geografische, ethnische oder religiöse, sondern die soziale.

Wenn Sie ein bekennender Schlechtmensch sind, können Sie jetzt natürlich den Standpunkt vertreten, man dürfe heutzutage unchristlich sein, und sich einen feuchten Kehricht um die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte kümmern. Sie können sagen, dass Ihnen die einheimischen Dreckskerle reichen und dass deshalb die 97 Prozent freundlichen und harmlosen Exemplare unter den Menschen, die zu uns gekommen sind, leider Pech haben. Sie können versuchen, für Ihre menschenverachtende Haltung eine parlamentarische Mehrheit zu bekommen. Die Partei für solche Typen gibt es ja schon.

Aber ich habe da mal eine Frage an Sie, weil ich es wirklich nicht verstehe: Wie kann man einen Menschen nur wegen seines Aussehens hassen, beschimpfen, bedrängen? Also nicht wegen seines Verhaltens oder selbst verantworteten Zustands (z.B. zugedröhnt)?  „Sehr verkehrte Pro-Chemnitzer, fiese Hooligans, …“ weiterlesen

Seehofer ist nicht für Law & Order

Unglaublich. BMI Seehofer ist „froh über jeden, der bei uns in Deutschland straftätig wird und aus dem Ausland stammt“. Hat er laut BR am 2.8.2018 in Töging gesagt. Hier der O-Ton aus der Sendung mit den Stefans zwei Tage später.

Übrigens sollte Seehofer wissen, dass es „straffällig“ heißt.

Tempo-30-Zonen bremsen Rettungsdienste aus

Ohne Vorfahrtsstraßen erreicht Kauferings Feuerwehr fast ein Drittel der bewohnten Fläche nicht mehr innerhalb der gesetzlichen 10-Minuten-Frist. Dies war im Rathaus bekannt, als die Vorfahrtsschilder nördlich der Haidenbucherstraße abmontiert wurden.

Wenn ein Notruf eingeht, bleiben der Freiwilligen Feuerwehr genau zehn Minuten Zeit, den Einsatzort zu erreichen – länger darf es nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz nicht dauern. Von diesen 10 Minuten hat der Disponent der Leitstelle 90 Sekunden Zeit für die Alarmierung. Die Feuerwehrleute haben dann fünf Minuten, um alles stehen und liegen zu lassen oder nachts aufzustehen, ins Feuerwehrhaus zu fahren, sich umziehen und die Fahrzeuge besetzen. Die restlichen dreieinhalb Minuten müssen reichen, vom Feuerwehrhaus mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatzort zu kommen.

Natürlich wird kein Kommandant bestraft, wenn seine Leute es aufgrund schlechter Witterung oder der Verkehrslage nicht immer innerhalb dieser so genannten Hilfsfrist schaffen. Die Vorgabe ist jedoch Grundlage der Standortplanung. Die Gebäude der Feuerwehr müssen an Stellen errichtet werden, von denen aus sie in der Regel mit diesen zehn Minuten auskommen. Und natürlich dürfen die Kommunen diese Bestimmung nicht durch unbedachte Beschlüsse konterkarieren.

Zu 100 Prozent war dies in Kaufering schon 2015, also vor Ausweisung der neuen Tempo-30-Zonen, nicht drin. Der so genannte Abdeckungsgrad – das ist der Teil der bebauten Fläche, die innerhalb der Hilfsfrist erreichbar ist – lag laut einem Gutachten damals bei 82,7 Prozent. In einem Sechstel Kauferings war also das Risiko, im Brandfall nicht schnell genug Hilfe zu bekommen, eigentlich zu hoch. „Tempo-30-Zonen bremsen Rettungsdienste aus“ weiterlesen

Blockchain, Bitcoin und die heiße Luft

Man liest ja seit einiger Zeit sehr viel über die „Blockchain-Technologie“, sprich: verteilte Datenbanken nach Bitcoin-Art. Ich selbst hatte schon das zweifelhafte Vergnügen, diese Dinge in einer Weise zu erklären, wie Chefredakteure sie nun mal für einem Massenpublikum vermittelbar halten.

Insofern bekenne ich mich schuldig, zu dem Hype ein wenig beigetragen zu haben, denn natürlich verschafft eine Titelseite mit dem Schlagwort „Blockchain“ so einem Thema Aufmerksamkeit. Da kann man dann noch so sehr versuchen, seine Skepsis im Text durchklingen zu lassen: Wenn die Redaktion meint, das könnte der nächste heiße Scheiß sein, den man kennen muss, wird die Story am Ende auch von den meisten Lesern so verstanden.

Um so mehr freue ich mich, dass ich auf zwei Autoren verweisen kann, die sich die Mühe gemacht haben, den Hype nach allen Regeln der Kunst zu entlüften. Anders gesagt: die Blockkettendatenbank als angebliche Lösung auf der Suche nach einem passenden Problem zu entlarven.

Da wäre erstens Kai Stinchcombe zu nennen (sorry, nur auf Englisch):

Ten years in: Nobody has come up with a use case for blockchain

Decentralized and trustless crypto: Paradise is actually a medieval hellhole

Zweitens empfehle ich meinen Kollege Torsten Kleinz, der die wohl besten auf Deutsch erschienenen Blogtexte hierzu verfasst hat:

Missverständnisse zu Bitcoin und Geld

Missverständnisse zur Blockchain

Noch einige Missverständnisse zur Blockchain

Civil: Journalismus an die Blockkette gelegt

Der Journalismus wird ja regelmäßig neu erfunden, oft mit ganz tollen Geschäftsmodellen, die dafür sorgen sollen, dass man vom Schreiben wieder besser leben kann – und das unabhängig, da anzeigenfrei. Nur eines fehlte noch: dass jemand die Reizworte „Zukunft des Journalismus“ und „Blockchain“ zusammenbringt. Blockchain, das ist diese Technik hinter der vermeintlichen Digital-„Währung“ Bitcoin, die schon viele unersättliche Gierhammel ins Unglück gestürzt und viele Geschäftemacher reich gemacht hat. „Civil“ heißt das Projekt, das uns an die Blockkette legen will. Das klingt schön nach Zivilgesellschaft und engagierten Bürgern. Wer jetzt meint, es seien Journalisten, die da an ihrer Zukunft basteln, schaue lieber einmal, was die Gründer und ihr Personal für einen beruflichen Hintergrund haben und wer das Vorhaben finanziell angeschoben hat.

Der Geschäftsführer (CEO) und Mitgründer von Civil, Matthew Iles, hatte zwar mal Journalistik studiert (an der Duke University), sich dann aber für eine Unternehmerlaufbahn im digitalen Marketing entschieden und nach eigener Darstellung innovative Geschäftsmodelle entwickelt. Seine Mitgründerin und rechte Hand Lillian Ruiz kommt ebenfalls aus dem Digitalmarketing. Zum Gründerteam gehören ferner Matt Coolidge mit der Berufsbezeichnung „Communications Lead“ (ehemals in der Technikbranche und im „federal sector“ tätig, eine in den USA gängige Selbstbeschreibung unter Auftragnehmern von Militär und Geheimdiensten), die Chef-Produktdesignerin Nguyet Vuong, die unter anderem für die Organisation „nationaler und internationaler Industrie-Events“ zuständige PR-Frau Christine Mohan, als Chefingenieur der E-Commerce-Spezialist Dan Kinsley, der sich rühmen kann, der Edelschuhmarke M.Gemi zu einem guten Start verholfen zu haben, ferner die zur Grafikdesignerin umgeschulte Sommelière Julia Himmel und last, not least, noch eine waschechte New Yorker Lokaljournalistin, Nicole Bode.

Die Mitarbeiter, die sich die Gründer dazugeholt haben, sind ganz überwiegend Techies:  „Civil: Journalismus an die Blockkette gelegt“ weiterlesen