Strippenzieher erfinden Tauziehen

Als der Journalistenverein Freischreiber e.V. auf der verbandspolitischen Bühne erschien, war er ein Club von seriösen, idealistischen, selbstbewussten und zum Teil ein wenig elitären Kolleginnen und Kollegen, die der Ansicht waren, außerhalb des DJV mehr erreichen zu können als innerhalb. Die Gründung war zwar eine ziemlich kurzsichtige, weil nicht von großem Verständnis des Verbände(un)wesens geprägte Entscheidung, aber an der ehrenwerten Motivation der Akteure war nicht zu zweifeln. Ja, sie war eine Dummheit, denn innerhalb der Strukturen des DJV hätten diese Leistungsträger schon mit einer kleinen Prise Machtinstinkt einen flotten Durchmarsch in wichtige Führungspositionen hinlegen können. Damit hätten sie die Schlagseite ausgeglichen, die den Deutschen Journalisten-Verband wie eine Gewerkschaft der angestellten Tageszeitungsredakteure aussehen ließ.

Heute sind die Freischreiber ein Schatten ihrer selbst. Während der DJV von einem freien Journalisten geführt wird, der sich vor niemandem zu verstecken braucht, fällt dem Vorstand des Freienvereins nichts Besseres ein, als mit einer zweifelhaften Kampagne die VG Wort zu diskreditieren, um die er sich bis in die jüngste Vergangenheit nicht ernsthaft gekümmert hat. (Dazu unten mehr.) Offensichtlich geht es um den Versuch, DJV und ver.di schlecht aussehen zu lassen, um eigene Versäumnisse zu kaschieren – man spielt über Bande.

Jüngstes Kapitel dieser so unrühmlichen wie durchsichtigen Strategie ist ein Text von Henry Steinhau, der bereits am 27. Juli im notorisch urheberrechtskritischen, Silicon-Valley-affinen Multi-Autoren-Blog irights.info publiziert und heute in einer Rundmail beworben wurde. Darin betreibt der Freischreiber-Funktionär Desinformation nach allen Regeln der Kunst. Weiter…

Pokémon Drive – such das Quadratspiegelei

UJF_5409 kleinDie Vorfahrt gewährenden Quadratspiegeleier in Kaufering werden weniger, die beiden Exemplare an der Hilscher-Kreuzung wurden zum Beispiel nach meinem Blogpost abgehängt. Falls Sie sie vermissen und über Pfadfindertalente verfügen, kommen Sie in die Theodor-Heuss-Straße. Hier gibt es zwischen Albert-Schweitzer-Straße und Ahornring noch welche zu bewundern – hübsch in frisches Grün eingebettet. Tipp: Schauen Sie hinter den als Sichtschutz vor den 30er-Schildern gepflanzten Bäumen nicht in Richtung Boden (da hocken nur Pokémon-Go-Mönsterchen), sondern leicht nach oben. Und voilà: Hinter den Ahornblättern sehen Sie es gelb und weiß schimmern.

UJF_5414aa

UJF_5418a

Eine Frage der Zeit, bis es kracht

Der Schilderwald von Kaufering ist legendär, vor allem wegen der unkonventionellen Stellen, an denen die Marktgemeinde die Pfosten in den Boden rammt. Jetzt wird er gelichtet – aber Wie…

Tempo-Kfg-Haidenbucher-Herbst-155a

Tempo-30-Schilder stehen in unserer Gemeinde, Verzeihung: Marktgemeinde, traditionell unmittelbar vor Kreuzungen und Einmündungen, damit Fahrer einbiegender Autos sie nicht sehen. Man fand sie bevorzugt an übersichtlichen Durchgangsstraßen, während in schmalen, gehsteiglosen Nebenstraßen oft Tempo 50 zulässig war – sogar in meiner Straße, die in den Achtzigern eigentlich als Spielstraße geplant worden war.

Kauferinger 30-ZoneVorfahrtzeichen werden bei uns gerne dezent ins Blattwerk des prächtigen Straßenbegleitgrüns eingeflochten oder hinter Stämmen postiert, sprich: Man sieht vor lauter Hecken, Sträuchern, Ahörnern, Kastanien und Kirschbäumen den Schilderwald nicht. In manch ruhigem Wohnviertel konnte man um ganze Häuserblöcke brettern, ohne von einem 30-Schild gemäßigt zu werden, obwohl wenige Meter weiter vorn und hinten in den jeweiligen Straßen durchaus der Wille des Rates Ausdruck fand, den gemeinen Kraftfahrer mittels des Streckenverbotszeichens 274 zum Entlasten seines Bleifußes anzuhalten. Damit war Kaufering ein Lehrbuchbeispiel für die unmotivierte Anwendung einer Gesetzeslücke, die Fahrlehrer so beschreiben: Weiter…

2DF-Fernsehräte von Gnaden der IT-Wirtschaft

Die so genannten Gremlins des deutschen Fernsehens verträten gesellschaftlich relevante Gruppen, habe ich mal gelernt. Jetzt lese ich in der Süddeutschen, dass bei der Auswahl eines neuen ZDF-Gremlins unter anderem der Verband der Internetwirtschaft (eco e.V.) mitreden durfte, der Chaos Computer Club, der „SPD-nahe Netzverein“ D64  sowie ein „Medienverband media.net“, von dem ich noch nie gehört habe – und nein, bitte geben Sie jetzt nicht media.net als URL in Ihren Browser ein, die sind’s sicher nicht. (Sobald ich herausgefunden habe, wen die SZ meint, trage ich’s nach.)

Auf wen haben sich diese so unterschiedlichen Lobbyisten geeinigt? Ausgerechnet auf den österreichischen Ökonomie-Jungprofessor Leonard Dobusch (36), der im Berliner Netzpolitik-iRights-Soziotop zu Hause ist und sich insbesondere mit unausgegorenen Ideen einen Namen gemacht hat, die zu einem Paradigmenwechsel vom Urheberrecht zum Nutzerrecht führen würden. „Leonido“ segelt im intellektuellen Kielwasser des Creative-Commons-Kapitäns Lawrence Lessig und legt das Postulat „Information wants to be free“ so aus, als hieße es „Geistiges Eigentum muss jederzeit überall mühe- und kostenlos für alle Bürger nutzbar sein“ und nicht „Wissen muss grundsätzlich frei zugänglich sein“. Kurz gesagt, er ist der ideale Kompromisskandidat für Leute, die die Sozialisierung der Werke von Urhebern fordern, und solche, die Urheberansprüche als Handelshemmnis sehen. Dobusch soll die Internet-Insassen im Fernsehrat vertreten, also 75 Prozent der Bevölkerung, aber er ist ein Ideologe mit einer klaren Mission.

Kann es schlimmer kommen? Vielleicht schon. Laut SZ darf die Bayerische Staatskanzlei einen weiteren Digitalmenschen in den Fernsehrat schicken; dies solle ein Vertreter des Industrieverbandes Bitkom sein. Darin ist alles Mitglied, was in der IT Rang und Namen hat – deutsche Firmen, aber auch US-Konzerne wie Apple und Microsoft und japanische Hersteller wie Epson und Canon. Schaut man beim ZDF nach, wer den Posten innehat, stößt man direkt über Dobusch auf den Namen Wolfgang Kopf. Der Mann ist Leiter des Zentralbereiches Politik und Regulierung des Bitkom-Mitglieds Deutsche Telekom AG und wird deshalb auch als „Cheflobbyist der Telekom“ bezeichnet. In einem Land, in dem so etwas möglich ist, müsste konsequenterweise auch die Autoindustrie Vertreter in den Rat entsenden dürfen, vielleicht einen VW-Mann in Kooperation mit der niedersächsischen Staatskanzlei. Baden-Württemberg stünde ein Maschinenbauer zu, NRW (oder Brandenburg) ein Lobbyist der Braunkohlewirtschaft.

Geht’s noch?

Jetzt mal konkret, Herr Hammerschmitt!

Manchmal weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll über meine Urheber-Genossen. Schön ist, dass sich jetzt mehr Kolleginnen und Kollegen denn je dafür interessieren, stimmberechtigte Mitglieder in dem Verein zu werden, dessen Schecks und Überweisungen sie immer gerne entgegen genommen haben. Der Vorstand der VG Wort bekommt bei seiner Sitzung diese Woche einen imposanten Stapel Anträge auf den Tisch, deren Annahme in fast allen Fällen reine Formsache sein dürfte. Journalisten, Drehbuchautoren, Schriftsteller, Übersetzer wollen mitreden, und wenn mein Eindruck mich nicht täuscht, kommt es dabei zu einer spürbaren Verjüngung unserer Mitgliedschaft. Dies ist nicht zuletzt deshalb schön, weil wir Ehrenamtlichen dafür die Vorarbeit geleistet haben, indem wir vor Jahren eine drastische Senkung der Eintrittshürde angeregt und durchgesetzt haben. Wir haben die Partizipationsmöglichkeiten für viele hauptberufliche Wortkünstler verbessert, die früher keinen barrierefreien Zutritt zur Mitgliederversammlung hatten (sie brauchten ein Delegiertenmandat von der Versammlung der Wahrnehmungsberechtigten) und nicht für Ämter kandidieren konnten.

Weniger schön ist, dass etliche Urheber auf Durchzug schalten, wenn Informationen aus der vermeintlich falschen Richtung auf sie einprasseln, sie sich aber dank ihres neu erworbenen Halbwissens bemüßigt fühlen, mit ihren Gedanken bereits an die Öffentlichkeit zu gehen – ganz egal, wie weit ihr Erkenntnisprozess denn nun gereift ist. Vielleicht ist das ja auch eine Berufskrankheit unter uns Schreibern: Mitteilungsdrang vor Selbstreflexion. Jedenfalls scheint derzeit ein kleiner Wettlauf stattzufinden nach dem Motto: „Zur Vogel-Entscheidung des BGH ist schon alles geschrieben worden, aber noch nicht hier“ bzw. „…noch nicht von mir.“ Es kann nicht mehr lange dauern, bis jeder zweite, der gelesen hat, der gute Herr Vogel habe für ihn ein gutes Urteil gegen die böse VG Wort erstritten – eine Sichtweise, die kein geringerer als Herr Vogel himself unter die Leute zu bringen nicht müde wird – eine Variation des Themas verfasst hat. Die Werke zeichnen sich aus durch mal höhere, mal eher geringe Schöpfungstiefe, variierenden Wahrheitsgehalt und eine Melange aus Angriffsfreude, lustvoller Selbstviktimisierung und Schuld-sind-immer-die-anderen-Attitüde. Weiter…